10.12.2018 12:31:29 | Jeanine Okle

Bericht Landbote Familie Bennardo – 10.12.18

Die Wirtefamilie Bennardo vom Fussballplatz Steinacker hört auf. Wie sie den FC Phönix Seen mit einer Pizza im ganzen Kanton bekannt machte.

Ein Verein, eine Familie und die berühmte Pizza

«Bei euch gibt es doch diese feinen Pizzas?», werden Anhänger des FC Phönix Seen bei Auswärtsspielen oft gefragt. Der italienische Teigfladen ist in der kantonalen Fussballwelt bestens bekannt. Auch auf dem heimischen Terrain ist er das Gesprächsthema und sorgt gar für Familienknatsch. Nicht selten wünschen sich Seemer Juniorinnen und Junioren nach dem abendlichen Fussballtraining die italienische Traditionskost. Wenn dann aber bereits das häusliche Abendessen wartet, ist die familiäre Diskussion, wo jetzt gespeist wird, unvermeidlich. Diese Szene ist regelmässig zu sehen auf dem Fussballplatz in Seen.
 
Meilenstein Pizzaofen
Verantwortlich dafür ist die Familie Bennardo. Vor 14 Jahren übernahm sie den Gastronomiebetrieb auf dem Fussballplatz Steinacker. Papa Vincenzo verlegte damals Platten im Abstellraum und verbaute darin einen Pizzaofen. Mama Rosetta überarbeitete die Menükarte nach ihrem Gusto und so stehen seit dem Frühling 2005 Pizza, Spaghetti Mama und vieles mehr auf der Fussballsaison ist das tagtäglich. Weber sagt: «Sie sind immer da.» Die beiden erwachsenen Söhne, Francesco und Domenico, unterstützen ihre Eltern, so oft sie können. Auch die Jüngste der Familie, Tochter Marianna, und viele Verwandte und Bekannte helfen regelmässig mit. So waren an Wochenenden mit vielen Spielen nicht selten bis zu zehn Personen im Einsatz. «Es braucht Herzblut und viel Zeit, anders würde es gar nicht funktionieren», erzählt der älteste Sohn Francesco.
 
Heiraten auf dem Sportplatz
Die Familie Bennardo ist vielleicht auch darum mehr als nur die Wirtefamilie eines Fussballkiosks. Sie machte den Sportplatz mit ihrem Engagement zum Treffpunkt für Fussballfreunde und -feinde. In all den Jahren fanden darum auch Weihnachtsessen, Generalversammlungen und Sitzungen statt. Mama Rosetta kochte nicht selten für ganze Mannschaften. «Wenn ein Trainer sagte, er wolle vor dem Spiel mit dem Team essen, habe ich für alle Pasta gekocht», erklärt sie mit italienischem Akzent. Diese Teamessen nahmen aber nicht nur die eigenen Mann- und Frauschaften in Anspruch, auch vom benachbarten Verein FC Tössfeld kamen Teams regelmässig zum Essen. Wenn man an die sportlichen Rivalitäten zwischen diesen beiden Vereinen denkt, bestätigen diese Besuche die ganz eigene Liga, in der die Seemer essen. Im vergangenen Winter feierte man gar eine Hochzeit auf dem Fussballplatz. Selbst Nationalspieler Manuel Akanji von Borussia Dortmund folgte damals der Einladung des Brautpaares auf den Fussballplatz Steinacker.
 
Verlieren erlaubt
Der ehemalige Präsident des Fussballclubs Willi Fischer holte die Familie Bennardo vor 14 Jahren auf den Fussballplatz. «Wir wollten uns kulinarisch etwas abheben, bekommen haben wir aber weit mehr. Bennardos machten den Steinacker zur Wohlfühloase», sagt Fischer. Gerne erzählt er auch von einer ihm bekannten Familie aus Kloten. Diese sei mit den Worten «Es ist den Kindern egal, wenn sie das Spiel verlieren, sie freuen sich auf die Pizza danach» nach Seen gereist. Auch der jetzige Präsident des Fussballclubs, Roger Inglin, weiss um die Wichtigkeit des Kiosks auf dem Sportplatz. «Er ist nicht nur einfach der Gastronomiebetrieb eines Vereins, er ist die Visitenkarte des ganzen Clubs.»
 
Mehr Freiheit und Freizeit
Diese Visitenkarte von Phönix Seen verlässt den Verein am Ende des Jahres. Sie möchten etwas mehr Freiheit und Freizeit haben, erklären Rosetta und Vincenzo. Ganz so einfach wird das Loslassen allerdings nicht werden. Sohn Domenico wird den Schlüssel Ende Jahr übergeben. Mama Rosetta ist dann in den Ferien in Italien. Sie würde das nicht so einfach übers Herz bringen, sagt Francesco. Zu sehr hänge sie an ihrem Kiosk. Nachfolger wird Tahir Arsimov, er wirtete in den letzten zehn Jahren beim FC Räterschen. Der Pizzaofen allerdings bleibt in Seen und mit ihm auch die Hoffnung, dass der phönixsche Höhenflug noch viele Jahre weitergeht.
 
Thomas Gschwind

Mutter Rosetta, Sohn Francesco (l.) und Vater Vincenzo (r.) in der Küche des FC Phönix Seen. Zusammen mit Sohn Domenico und Tochter Marianna kochten sie für den Verein. Foto: Heinz Diener


Hier den ganzen Bericht als PDF: Seite_5_Der_Landbote_20181210.pdf